Lasst die Schwäne fliegen…

SWANBanner_newSWAN Day steht für Support Women Artists Now, also für Unterstützt Künstlerinnen Jetzt. SWAN Day ist als internationaler Feiertag konzipiert und findet immer am letzten Wochenende im März statt. Das Event dient der Anerkennung und Ehrung kultureller Beiträge von Künstlerinnen und deren Macht, die Gesellschaft positiv zu beeinflussen. Initiiert wurde der SWAN DAY von Women Arts, auf deren Seite auch die seit 2008 international veranstalteten Festivals, Veranstaltungen etc. dokumentiert sind.

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Entdeckung einer Pionierin

annegret-soltauAnnegret Soltau – Körper trifft Collage trifft Textil

Ihr eigener Körper ist das Rohmaterial für ihre Kunstwerke. In ihren ersten Performances umschlang die 1946 in Lüneburg geborene (heute weltweit arbeitende und ausgezeichnete) Künstlerin noch sich und andere mit schwarzen Fäden zu einer skulpturalen Installation; ein Werk, das sich spätestens mit Ende der Ausstellung wieder auflöste. Mitte der 1970er Jahre entwickelte sie die von ihr selbst so benannte Fotovernähung, in der sie den realen Faden mit fotografischem Material verband. Diese Technik steht in der Tradition der Collage; durch die Nutzung des Fadens statt des bei Collagen sonst üblichen Klebstoffs bekommen ihre Arbeiten aber zusätzlich auch textilen Charakter. Sie ist eine Pionierin auf dem Gebiet der feministischen Kunst und der Body Art. Sie erforscht und überwindet die Grenzen des gegebenen Körpers. Bei ihren Arbeiten reißt Soltau aus Fotografien von Gesichtern & Körpern das Innere heraus, so dass nur der Umriss der Person entleert als Silhouette zurückbleibt. Weiterlesen

Stellt Euch doch mal vor – Gastauftritt III

Tina Modotti: Fahnenträgerin

Carla Pohl: CSD Impression

 

 

 

 

 

 

Carla Pohl: Ein Tag mit Tina Modotti

Heute bin ich mit der Fotografin, Revolutionärin und Schauspielerin Tina Modotti verabredet, denn bei einer solchen derzeitigen politischen Lage liegt es nahe sich mit den Revolutionären zu beschäftigen. Doch was hat das mit Fotografie zu tun? Fotografie gibt die Möglichkeit auf Dinge aufmerksam zu machen, Wahrheiten zu zeigen – diese Wahrheiten sind natürlich immer im Sinne des Betrachters bzw. des Fotografen – und zuletzt ist die Fotografie ein Kommunikations-mittel.  Kennengelernt – im übertragenem Sinne – habe ich Tina Modotti als ich zwanzig Jahre war – über eine Romanbiographie. Tina Modotti lebte ein Leben voller Kämpfe, getragen von Leidenschaft, Kunst und den Begegnungen mit unzähligen Künstler*innen.  In Udine, Italien, geboren, emigriert sie als 17jährige nach Amerika, lernt dort ihren künftigen Ehemann, den Maler und Dichter Roubaix de l’Abrie Richey kennen, der jedoch schon einige Jahre später stirbt. Zu den vielen Künstlerkontakten vor Ort gehört auch Edward Weston; mit ihm geht sie 1923 nach Mexiko. Weston wird Tina Modottis Lehrer und Geliebter. Die Fotografin entwickelt ihre eigene Bildsprache, beginnend mit Fotografien von Detailaufnahmen und Blumen. Aufgrund ihres politisch- aktivistischen Engagements sind es jedoch bald andere Motive, die sie bevorzugt: Bilder von protestierenden Arbeitern, Bauern und Frauen. So entstand dann eines ihrer bekanntesten Fotos, das der Fahnenträgerin. Weiterlesen

Wuppertals Töchter II

jr_pina_bausch_nelken_accordion_alt_500Tanz PINA Tanz!

Pina Bausch gilt als eine der größten Choreografinnen unserer Zeit. Weltweit verzauberte sie mit berührenden Bildern Menschen, die unabhängig ihrer Kultur und Sprache verstanden, was sie auf poetischste und dennoch radikale Weise mitzuteilen hatte. Sie hat mit ihren Choreografien den Tanz aus seinen alten Formen herausgeführt und als Leiterin des Wuppertaler Tanztheaters von 1973- 2009 den Begriff des Tanztheaters neu geprägt. Die Ausstellung PINA BAUSCH und das Tanztheater gastiert vom 16.09-09.01.2017 im Martin Gropius Bau Berlin. Herzstück der Ausstellung ist ein Nachbau der Lichtburg, jenes legendären Wuppertaler Proberaums, in dem Pina Bausch den größten Teil ihrer Stücke entwickelt hat. In der Ausstellung wird er zum Raum der Begegnung, dem Ort für Live-Performances, Workshops, Gespräche. Unterschiedlichste Objekte/Installationen, Fotografien/Videos bereichern die Ausstellung und lassen sie zum lebendigen Archiv werden. Die Chance, Pina Bausch noch einmal mannigfaltig zu erleben. Weiterlesen

Die Ästhetik des Widerstands

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Die Ästhetik des Widerstands ist der Titel eines dreibändigen, um die 1000 Seiten umfassenden Romans von Peter Weiss. Das Werk stellt den Versuch dar, die historischen und gesellschaftlichen Erfahrungen und die ästhetischen und politischen Erkenntnisse der Arbeiterbewegung in den Jahren des Widerstands gegen den Faschismus zum Leben zu erwecken und weiterzugeben. Zentrale Figur ist ein durch den ganzen Roman namenlos bleibender, fiktiver deutscher Arbeiter und Widerstandskämpfer, den Weiss, wie er selbst bemerkte, mit seiner eigenen „Wunschbiographie“ versehen hat. Im Mittelpunkt des Romans  steht unter anderem die Frage, welche Rolle Kunst und Kultur als Nährboden für politischen Widerstand gegen totalitäre Systeme spielen können. Weiss schildert dazu nicht nur die Lebensbedingungen, unter denen Menschen mit Kunst in Berührung kamen. Er beschreibt auch, wie bestimmte Kunst den wenigen Menschen, die sich dem Faschismus widersetzten, Kraft und Orientierung vermitteln und das politische Bewusstsein schärfen konnte.  Im Herbst 2016 wäre der Autor, Bildende Künstler und Filmemacher Peter Weiss hundert Jahre alt geworden. Das HAU Hebbel am Ufer nimmt dies zum Anlass für ein interdisziplinäres Festival (28.09.-08.10.2016) , zu dem internationale Künstler*innen, Wissenschaftler*innen und Aktivist*innen eingeladen sind, sich mit dem Roman Die Ästhetik des Widerstands und den darin gestellten sozialen und politischen Fragestellungen auseinanderzusetzen. Für das Festival hat das HAU Hebbel am Ufer fünf internationale Theaterproduktionen in Auftrag gegeben. Darüber hinaus wird es ein Theorieforum, eine Lesung des Romans “Die Ästhetik des Widerstands“, ein Filmprogramm in Kooperation mit dem Arsenal – Institut für Film und Videokunst sowie eine Ausstellung von Halil Altındere im n.b.k. geben. Gesamtprogramm/Kartenvorbestellung übers HAU.

 

Dada XIII

HH-fotoHannchen oder die Erfindung der Collagetechnik

Es hat lange gedauert bis die Kunstwelt ihr den gebührenden Platz in der eigenen Geschichtsschreibung einräumte: Hannah Höch (1889-1978), Dadaistin der ersten Stunde in Berlin, heute anerkannt als eine der wichtigsten Avantgarde-Künstlerinnen des vergangenen Jahrhunderts – unter anderem als  (Mit)Erfinderin der Collage- und Fotomontagetechnik, eine zentrale Figur der Klassischen Moderne, Namenspatronin für einen renommierten Künstlerinnenpreis der Stadt Berlin, Vorbild vieler junger Künstlerinnen… Zu Beginn ihres künstlerischen Weges war sie erstmal nur das Hannchen,  die Frau an der Seite des Dadaisten Raoul Hausmann…obschon auch damals den Herren des Dada Kreises  weit voraus. Als einzige Frau im Dada Berlin Club fing sie zwangsläufig an, sich mit den gängigen Rollenklischees ihrer Zeit auseinanderzusetzen; ihre Fotomontagen stellen eine Art weiblichen Gegenentwurf zum bis dato männlichen Dada dar;  immer wieder wird sich Höch mit dem Typus der „Neuen Frau“ in ihrem Werk auseinandersetzen. Sie montierte Frauenbilder zusammen, überspitzte sie und dekonstruierte damit gleichzeitig die gängigen Geschlechter-Klischees und spiegelte scharfsinnig die politische  Alltagskultur ihrer Zeit wieder.   Weiterlesen

7 Leben

esther bejaranoEsther Bejarano: man darf den Mut nie aufgeben.

Esther Bejarano, 91 Jahre alt, KZ-Überlebende, damals Mitglied des Ausschwitz-Mädchenorchester, heute Musikerin und Autorin mit/bei der Rap-Band Microphone Mafia: eine aus Israel wieder nach Deutschland zurückgekehrte Künstlerin mit der aufs Neue so dringlichen Mission: unsere Stimme(n) gegen den Rechtsruck  erheben. Ihr Einsatz unermüdlich, leidenschaftlich, traurig, kraftvoll, differenziert. Ihre Kritik an der heutigen Flüchtlingspolitik kurz und präzise: unmenschlich. Die Musik hat ihr damals das Leben gerettet und mit der Musik versucht sie bis heute das Leben Anderer zu retten. Jede Begegnung mit ihr und ihrer (Überlebens-)Kunst: ein Geschenk.  Alle Auftrittstermine von Esther Bejarano/Microphone Mafia unter: http://www.microphone-mafia.com/
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daDa V

Auf Dada folgte Fluxus…Werkschau Mary Bauermeister im Museum Fluxus+

Die Kunstbewegung Fluxus war eine der großen Erbinnen von Dada; als radikale und experimentelle Kunstströmung setzte sie in den 1960er Jahren da wieder ein, wo Dada in den 20ern begonnen hatte. Die Entgrenzung von Kunst und Leben als Motor und Ziel ausschweifender wie weitsichtiger Performances und Aktionen weltweit. Die 1934 geborene Mary Bauermeister gilt – und das sicherlich zurecht – als die Pionierin/die Mutter der deutschen Fluxusbewegung. Das Potsdamer Museum FLUXUS+ widmet ihr nun unter dem Titel „point the way: with different material“  vom 28.02-01.05.2016 eine große Werkschau.  Anfang der sechziger Jahre traf sich in ihrem Atelier in Köln die Avantgarde der Kunst: Nam June Paik, John Cage, Karlheinz Stockhausen, Joseph Beuys. Die Performances dort gelten als Anfang der Fluxus-Bewegung. Weiterlesen

daDa III

Die bekannte Unbekannte: Sophie Täuber-Arp

Die 1889 im appenzellischen Dorf Trogen geborene Sophie Täuber zählt heute zu den wichtigsten Künstlerinnen der Schweiz (als einziger Künstlerin wurde ihr bisher die Ehre zuteil eine eidgenössische Briefmarke mit ihrem Konterfei zu zieren) und dennoch blieb sie bisher auch die bekannte Unbekannte. Vielleicht mag das 100jährige Dada-Jubiläum sie aus dieser Nische befreien. Sophie Täuber-Arp war künstlerisches Multitalent und interdisziplinäre Kunstschaffende, lange bevor diese Begriffe geprägt wurden. In St. Gallen studierte sie Angewandte Kunst, in München und Hamburg bildete sie sich in unterschiedlichsten Disziplinen fort und als sie 1915 nach Zürich zog war sie wie geschaffen für die neuen Kunstbewegungen der Moderne. Nicht einzelne Kunstwerke waren zu schaffen, sondern ganze Lebensentwürfe und Gesellschaftsformen neu zu kreieren. Weiterlesen

Charlotte Salomon – Romanbiografie

documenta-13-charlotte-salomon Leben? Oder Theater?

Die Geschichte der in Auschwitz ermordeten Künstlerin Charlotte Salomon (*16. April 1917, + 10. Oktober 1943) ist eines der Schicksale, die überwältigen, überfordern, die so tief schmerzen, dass Wut kaum entstehen mag, wo sie doch so nötig wäre. Als der Schriftsteller und Drehbuchautor David Foenkinos 2006 in Paris die Ausstellung „Leben? Oder Theater?“ mit den Gouachen und Texten besucht, fühlte er sich elektrisiert und überwältigt zugleich. Für ihn steht sofort fest, dass er ein Buch schreiben wird über Charlotte Salomon, aber wie…Das Ringen um die Worte, um die Form beschreibt er plastisch: „Ich saß immer da und wollte dieses Buch schreiben. Aber wie? Durfte ich selbst darin vorkommen? Kann ich aus Charlottes Geschichte einen Roman machen? Welche Form sollte das Ganze annehmen? Ich schrieb, löschte, kapitulierte. Ich brachte keine zwei Zeilen zu Papier. Nach jedem Satz geriet ich ins Stocken. Es ging einfach nicht weiter. Das war körperlich beklemmend. Ich verspürte beständig das Verlangen, eine neue Zeile zu beginnen. Irgendwann begriff ich, dass ich das Buch genau so schreiben musste.“ Weiterlesen