Schwesterlichkeit

Neben dem Sein in unserer eigenen Biografie sind wir auch Bewohnerinnen kollektiver Biografie(n). Frauen stehen in patriarchalen Strukturen z. B. in der kollektiven Biografie der Auseinandersetzung um Gleichheits- und/oder Abgrenzungsansprüchen. 100 Jahre Frauenwahlrecht ist eine biografische kollektive Station, an der wir uns heute befinden. Die Künstlerin Barbara Ihme hat hierzu ein Mail Art Projekt ins Leben gerufen, an dem ich gerne teilnehme und welches ich Euch hiermit ans Herz lege…Weiterlesen

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Nicht ohne meine Oma…

Das »Grandmother Film Festival« ist ein internationales Festival, dass nach Rotterdam nun auch erstmals in Berlin gastierte. Gezeigt wurden  Dokumentar-, Spiel- und Animationsfilme internationaler Filmemacher*innen. In manchen Filmen lebt die Großmutter nicht mehr, ist jedoch durch ihre Hinterlassenschaften und in der Erinnerung der Enkelkinder sehr präsent. In anderen wiederum ist sie die alte bis sehr sehr alte präsente Hauptdarstellerin in der Verfilmung eines Abschnitts ihres Lebens. Die Filme von zärtlich-poetisch bis radikal-schonungslos-schmerzhaft. Allen gemein: eine sehr intime und berührende Arbeit…für Protagonistinnen, Filmemacher*innen und Zuschauende. Das »Grandmother Film Festival« ist eine Initiative der Künstlerin Sophia Tabatadze und lies uns quer durch die Welt reisen. Nicht ohne meine Oma – von Estland nach Argentinien in die Ukraine nach Israel in die Niederlande…

Weitere Infos zu den Filmemacher*innen und zum Festival hier

 

Stellt Euch doch mal vor – Gastauftritt VI

Die Kraft der Begegnung von Seona Sommer
Mich vorzustellen bedarf einer Dreiteilung. Aber in erster Linie bin ich Künstlerin und habe mich auf realistische Porträtmalerei und Porträtzeichnung spezialisiert. Ich habe mir das nicht „ausgesucht“, sondern ich wurde schon immer magisch angezogen von Menschen, Gesichtern, Emotionen und vor allem der Vielfalt des menschlichen Ausdrucks, der kulturellen und biographischen Hintergründe sowie der unglaublichen Einzigartigkeit der Individuen. Ich empfinde eine tiefe Genugtuung darin, mich im Schaffensprozess mit einem real existierenden Menschen zu beschäftigen und dabei sein Wesen, insbesondere seine Liebenswürdigkeit, herauszuarbeiten. Dabei spielt es für mich keine übergeordnete Rolle, ob ich den Menschen persönlich kenne oder nicht. Auch lege ich keinen Wert darauf, berühmte Persönlichkeiten zu malen. Stattdessen möchte ich „ganz normalen Leuten“ aus aller Welt die Möglichkeit geben, sich einmal in einem Kunstwerk verewigen zu lassen und somit einen Moment besonderer Aufmerksamkeit zu erleben. Weiterlesen

Lasst die Schwäne fliegen…

SWANBanner_newSWAN Day steht für Support Women Artists Now, also für Unterstützt Künstlerinnen Jetzt. SWAN Day ist als internationaler Feiertag konzipiert und findet immer am letzten Wochenende im März statt. Das Event dient der Anerkennung und Ehrung kultureller Beiträge von Künstlerinnen und deren Macht, die Gesellschaft positiv zu beeinflussen. Initiiert wurde der SWAN DAY von Women Arts, auf deren Seite auch die seit 2008 international veranstalteten Festivals, Veranstaltungen etc. dokumentiert sind.

Stellt Euch doch mal vor – Gastauftritt IV

berlin-1486755_1280Zum Frauentag: der Alexanderplatz wird weiblich

Alexanderplatz, Friedrichstraße, Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche – überall erinnert Berlin sich an irgendwelche Männer. Dem wollen die Berliner Autorinnen Sabine Funder und Claudi Feldhaus etwas entgegen setzen – und befassen sich mit der Idee, den Alex nach einer Frau zu benennen. Nach welcher, und warum, das verraten sie hier.
Der Alexanderplatz? Gehört umbenannt, besser jetzt als später. Und weil Merkel Chefin, Clinton im Vergleich zu Trump aber die Angeschmierte ist, und solange Frauen weniger verdienen aber öfter getötet werden als die meisten anderen Geschlechter auf diesem Planeten, soll der allerikonographischste Platz Berlins bitte nicht nach einem toten Zaren benannt sein, sondern … ja, nach … Scheiße, denk ich mir, und kann mich mal wieder nicht entscheiden, wer meine Lieblingslieblingsfotografin ist. Ich liebe beide, sowohl Annie Leibovitz als auch Cindy Sherman. Aber geht das? Die Fotos dieser beiden Großen könnten fast unterschiedlicher nicht sein, find ich. Leibovitz, die hat die Großen dieser Welt inszeniert. Die Queen, DiCaprio, Susan Sontag, ihre Freundin. Wundervoll märchenhafte Aufnahmen, wie Gemälde, so schön, nur weniger Öl. Aber Sherman? Knippst sich stetig selbst, kredänzt sich dem Betrachter mal als Untitled Filmstill, mal als Clown, gruseliger als Stephen Kings „Es“, und bisweilen fällt es schwer, zu sagen, wann Sherman was davon macht: verstörendes Clown-Imago oder Filmszene. Trotzdem ist sie herrlich genial, ein bisschen wie Sybille Berg, die irgendein Depp vor ein paar Jahren mal als „frappierend hässlich“ bezeichnet hat und irgendwie muss ich da jetzt dran denken, immer wenn ich Sherman denke. Weiterlesen

Entdeckung einer Pionierin

annegret-soltauAnnegret Soltau – Körper trifft Collage trifft Textil

Ihr eigener Körper ist das Rohmaterial für ihre Kunstwerke. In ihren ersten Performances umschlang die 1946 in Lüneburg geborene (heute weltweit arbeitende und ausgezeichnete) Künstlerin noch sich und andere mit schwarzen Fäden zu einer skulpturalen Installation; ein Werk, das sich spätestens mit Ende der Ausstellung wieder auflöste. Mitte der 1970er Jahre entwickelte sie die von ihr selbst so benannte Fotovernähung, in der sie den realen Faden mit fotografischem Material verband. Diese Technik steht in der Tradition der Collage; durch die Nutzung des Fadens statt des bei Collagen sonst üblichen Klebstoffs bekommen ihre Arbeiten aber zusätzlich auch textilen Charakter. Sie ist eine Pionierin auf dem Gebiet der feministischen Kunst und der Body Art. Sie erforscht und überwindet die Grenzen des gegebenen Körpers. Bei ihren Arbeiten reißt Soltau aus Fotografien von Gesichtern & Körpern das Innere heraus, so dass nur der Umriss der Person entleert als Silhouette zurückbleibt. Weiterlesen

Stellt Euch doch mal vor – Gastauftritt III

Tina Modotti: Fahnenträgerin

Carla Pohl: CSD Impression

 

 

 

 

 

 

Carla Pohl: Ein Tag mit Tina Modotti

Heute bin ich mit der Fotografin, Revolutionärin und Schauspielerin Tina Modotti verabredet, denn bei einer solchen derzeitigen politischen Lage liegt es nahe sich mit den Revolutionären zu beschäftigen. Doch was hat das mit Fotografie zu tun? Fotografie gibt die Möglichkeit auf Dinge aufmerksam zu machen, Wahrheiten zu zeigen – diese Wahrheiten sind natürlich immer im Sinne des Betrachters bzw. des Fotografen – und zuletzt ist die Fotografie ein Kommunikations-mittel.  Kennengelernt – im übertragenem Sinne – habe ich Tina Modotti als ich zwanzig Jahre war – über eine Romanbiographie. Tina Modotti lebte ein Leben voller Kämpfe, getragen von Leidenschaft, Kunst und den Begegnungen mit unzähligen Künstler*innen.  In Udine, Italien, geboren, emigriert sie als 17jährige nach Amerika, lernt dort ihren künftigen Ehemann, den Maler und Dichter Roubaix de l’Abrie Richey kennen, der jedoch schon einige Jahre später stirbt. Zu den vielen Künstlerkontakten vor Ort gehört auch Edward Weston; mit ihm geht sie 1923 nach Mexiko. Weston wird Tina Modottis Lehrer und Geliebter. Die Fotografin entwickelt ihre eigene Bildsprache, beginnend mit Fotografien von Detailaufnahmen und Blumen. Aufgrund ihres politisch- aktivistischen Engagements sind es jedoch bald andere Motive, die sie bevorzugt: Bilder von protestierenden Arbeitern, Bauern und Frauen. So entstand dann eines ihrer bekanntesten Fotos, das der Fahnenträgerin. Weiterlesen

Stellt Euch doch mal vor – Gastauftritt I

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Kreativität erfordert den Mut alle Sicherheiten loszulassen.  Erich Fromm

Sitta Derstroff: Kreativität und der kreative Prozess

Um die Aussage von Erich Fromm zu bestätigen, habe ich erst einmal nachgeschaut, wie Wikipedia Kreativität definiert:  Kreativität ist allgemein die Fähigkeit, etwas vorher nicht da gewesenes, originelles und beständiges Neues zu kreieren. Der Begriff Kreativität bezeichnet im allgemeinen Sprachgebrauch vor allem die Eigenschaft eines Menschen, schöpferisch zu sein, was wiederum auf seinen Ursprung aus dem Lateinischen zurückgeht. „Creare“ bedeutet übersetzt „schöpfen“. Das Schöpferische im Menschen wird deswegen meist mit Berufen oder Tätigkeiten aus den Bereichen der bildenden Kunst und der darstellenden Kunst verbunden.
Das ist mir zu einfach, zu eingeschränkt und zu emotionslos. Außerdem fehlen mir hier noch ganz viele ungenannte Schöpfende. Treibt doch die Kreativität viele Blüten, was ist denn mit Schreiben, Tanzen, Singen, Fotografieren, und nicht zu vergessen alle Menschen in ganz normalen Berufen, die jeden Tag kreative Lösungen finden?
Sogenannte kreative Menschen sind neugierig, mutig, ideenreich, offen für neue Erfahrungen, denken mehrdimensional, sind immer auf der Suche, selbstbewusst, risikobereit, sind vielleicht ein bisschen verrückt, schöpfen Kraft aus Niederlagen und so weiter und so fort. Weiterlesen

Vorübungen für den Tod

marina-abramovic-cleaning-the-mirrorPerformance-Ikone Marina Abramović zum 70.

Das Wort Grenzgängerin scheint für sie erfunden worden zu sein. Wenn sie davon spricht, dass jede ihrer Performances sie an und über Grenzen hinweg bringt und der „Erfahrung Tod“ näher, ist dies nicht nur eine knappe Beschreibung ihrer Arbeitsmethoden, sondern elementare Lebensphilosophie. Ihr Arbeitsmaterial seit jeher: der eigene Körper – Extremsituationen ausgesetzt. Der Körper, aus dem eine Stimme heraus schreit, bis sie vor Schmerz verstummt; der Körper, tanzend, bis er zusammenbricht; der Körper, von Performance Besuchern oder auch ihr selbst malträtiert, bis Blut strömt; der Körper, Flammen und Rauch preisgegeben, bis sie ohnmächtig wird; der Körper, auf einem Eisblock festgefroren, bis sie halluziniert; der Körper 75 Tage regungslos auf einem Stuhl in der MOMA sitzend; der Körper, den sie oder der sie über 2000 km lang über die chinesische Mauer führt. Der Körper, der nie losgelöst agiert von ihrem Geist. Der Körper, den sie verehrt und der Kunst weiht. Der Körper mit dem sie den Ernstfall Tod probt. Sie ist die radikalste der Performance- und Körperkünstlerinnen unserer Zeit. Und mit den nun 70 Jahren (30.11.2016) ist für sie lediglich ein weiterer Zwischenschritt erreicht. Die Liste der Perfomances, die für die nächsten Jahre geplant sind ist lang. Die Vorausschau auf ein viel höheres Alter schon da: alt werden im Kloster…nicht jetzt, aber später. Sie ist noch nicht fertig mit der Kunst, dem Körper, der Welt. Weiterlesen

Dada XXI

Gertrude Stein

…Rose ist eine Rose ist eine Rose

Vielen geläufig die Endlosschleifen der Rose ist eine Rose ist eine Rose, nur wenigen bekannt, dass sie aus einem Kinderbuch stammen, dass Gertrude Stein 1939 veröffentlichte: „The world is round“. Bei der zitierten Rose handelt es sich um das Mädchen Rose, die selbst herausfinden möchte, ob die Welt wirklich rund ist; im Wald schreibt Rose ihren Namen an einen Baum: „…rundherum immer rundherum aber nicht krumm Rose ist eine Rose ist eine Rose ist eine Rose in die Rinde ritzen bis es ganz rundherum reichte.“ Eine Geschichte um Identitätsfindung und Erwachsen-Werden, für junge Menschen geschrieben und dennoch im experimentellen Schreib-Stil der Gertrude Stein. Für diesen ist die 1874 geborene Schriftstellerin nicht unbedingt geliebt, aber bewundert und damit bekannt geworden. Wer sich ihrem Werk nähert muss Geduld zum einen, die Bereitschaft gewohnte Lesemuster über den Haufen zu werfen zum anderen mitbringen. Grammatikalisch einfache Sätze werden durch Wiederholungen zu langen Satzketten, durch Laut- und Wortspiele unterbrochen oder begleitet…Gedankengänge werden immer wieder umgelenkt. Zu ihrer Zeit ein für die Lesenden verstörendes Erleben, ein Novum im Kanon der damaligen Literatur. Weiterlesen