Stellt Euch doch mal vor – Gastauftritt VII

Wie ich auszog das Lachen zu finden von Astrid May

Es gibt Zeiten, da kann Einer das Lachen gründlich vergehen! Da findest Du es in keiner Ecke Deines Körpers, nicht links oder rechts! In solch einem Moment fand mich der Clown. Es ist gut, mit dem Inneren Kind zu beginnen. Hier ist der Clown zu Hause! Er begegnet der Welt wie einem Wunder, mit Offenheit und Neugierde, wertfrei und direkt.
Er erFREUt sich an allem! Alles kann Impuls für sein Spiel sein! Beim Aufstehen aus dem Bett zu plumpsen ist GLÜCK! Die Schuhe verkehrt rum anziehen und zum Bus zu eilen ist Vergnügen. Selbst das Scheitern liebt der Clown. Ein ängstlicher Clown, der sich nicht über den Zebrastreifen traut ist nichts weiter als eine Verzögerung im System! Autofahrer, für den Bruchteil einer Sekunde aus der Routine gerissen, verärgert oder lachend, je nach dem, in welchen Rückspiegel sie schauen. Der Clown hält jedem den Spiegel vor das Gesicht. Spiegelt und verwandelt! Und das tut er zu seiner eigenen FREUDE! Weiterlesen

documenta 14. Favorit*innen V- VII

Endspurt  bei der Weltkunstausstellung

Die letzten beiden Wochen der diesjährigen documenta sind eingeläutet und deshalb nochmal ein schneller Blick auf Künstler*innen, die mich im Kasseler Part der Ausstellung begeistert, verzückt, beglückt haben: Maria Loizidou (*1958 in Frankreich) mit ihrem Werk ‚Collective Autobiography‘ (Foto), einem Schreib- Denk- Autobiografie-Behälter, der sich der Vielschichtigkeit eigener und kollektiver Erinnerung widmet;  Stathis Logothétis (*1925 im heutigen Bulgarien) dessen Werke der Überzeugung entspringen „jeder kreative Akt ist eine biologische Notwendigkeit“ und Pélagie Gbaguidi (*1965 in Dakar), die mittels ihrer Kunst nach uns selbst fragt, häufig in in Gestalt eines Rätsels zu unserer Herkunft oder Zukunft. Ein einziger, entscheidender Aspekt erscheint ihr dabei unerlässlich: dass das, was uns allen gemein ist, was wir miteinander teilen und lieben, gänzlich vergebens wäre, würde es nicht versuchen, uns zu besseren Menschen zu machen. Damit bettet sie die Kunst ins Leben wie das Leben in die Kunst und auch genau das hat diese documenta meines Erachtens nicht nur propagiert, sondern nachdrücklich und vielschichtig gezeigt: Kunst ist nichts abstrakt, Kunst ist Leben und Hoffnung.

 

documenta14. Favorit*innen IV

Tief hängende Frucht

Das Schreiben, das Filmen, die Mutterschaft, Hunger, Arbeit, Kino, Familie, die Lektüre, das Soziale. Themen, die um sie kreisen, die sie kreisen lässt: die 1958 in Toronto geborene Filmemacherin und Autorin Moyra Davey. Ihre Arbeiten sind Kompositionen aus Fotografien, geschriebenen Texten und Videos.  Auf der documenta 14 zeigt sie ihre Serie „Walking with Nandita“, eine fotografische Spurensuche zur Fotografin Julia Margaret Cameron. Julia Margaret Cameron war eine bedeutende britische Fotografin der viktorianischen Epoche, geboren 1885 in Kalkutta. Zu Camerons Lieblingsmodellen gehörte ihre Nichte Julia Jackson, die Mutter der Schriftstellerin Virginia Woolf.

Davey nähert sich den Personen, für die sie eine bohrende Faszination empfindet ) auf ihre eigene kreisende Weise und oft sind es Kleinigkeiten, Nebensächlichkeiten, die sie aufnimmt, von denen sie sich inspirieren lässt. Ich nenne diese Art zu filmen tief hängende Frucht so Davey selbst in einem einleitenden Kommentar zu ihrem Film über Chantal Akerman (2016). Eine irritierende Aussage, die auch umkreist werden will und  in den essayistischen Kosmos dieser ungewöhnlichen Künstlerin gehört.

 

Verliebt ins experimentelle Spiel

Seelencode an Dada Land

Kein langes Drumherum, ich lege meine Karten direkt auf den Tisch: ich kann und will mich nicht entscheiden zwischen Wort & Bild, Essay & Installation, Poem & Performance. Meine Kunst ist genährt von Sprache – meine Sprache ist verliebt ins künstlerische Spiel, in die Erweiterung der Dimensionen und Ausdrucksformen. Die Auseinandersetzung mit einem Wort – derzeit gerade das Wort Seele – führt mich in immer absurdere Gedankenschleifen, die dann wiederum münden in die Idee für eine Objektreihe, aus der sich dann eine Intervention ergibt, die dazu einlädt Kunstanteilseigner*in zu werden. Experimentelle Schreiblabore – im Stile der Dadaist*innen – bringen mir das Material für neue Sprachexperimente, die wiederum in den Bau einer Installation oder in den Textfluss für eine Performance führen. Ich lege meine Biografie in Wort-Schubladen ab und baue aus ihnen das Bühnenbild für einen theatralischen Monolog. In meinen Kunstprojekten und Aktionen werden Worte liebkost, zerfleischt, erhöht, geschreddert, angebetet, transformiert, neu geboren… Weiterlesen

Stellt Euch doch mal vor – Gastauftritt VI

Die Kraft der Begegnung von Seona Sommer
Mich vorzustellen bedarf einer Dreiteilung. Aber in erster Linie bin ich Künstlerin und habe mich auf realistische Porträtmalerei und Porträtzeichnung spezialisiert. Ich habe mir das nicht „ausgesucht“, sondern ich wurde schon immer magisch angezogen von Menschen, Gesichtern, Emotionen und vor allem der Vielfalt des menschlichen Ausdrucks, der kulturellen und biographischen Hintergründe sowie der unglaublichen Einzigartigkeit der Individuen. Ich empfinde eine tiefe Genugtuung darin, mich im Schaffensprozess mit einem real existierenden Menschen zu beschäftigen und dabei sein Wesen, insbesondere seine Liebenswürdigkeit, herauszuarbeiten. Dabei spielt es für mich keine übergeordnete Rolle, ob ich den Menschen persönlich kenne oder nicht. Auch lege ich keinen Wert darauf, berühmte Persönlichkeiten zu malen. Stattdessen möchte ich „ganz normalen Leuten“ aus aller Welt die Möglichkeit geben, sich einmal in einem Kunstwerk verewigen zu lassen und somit einen Moment besonderer Aufmerksamkeit zu erleben. Weiterlesen

KUNST SEELE VOLL MACHT

Werden Sie Anteilseigner*in!
Menschen gesucht, die spüren, dass in Ihnen Anteile einer Künstlerseele wohnen, selbige bisher aber nicht freisetzen und/oder transformieren konnten. Sind Sie eine*r dieser Menschen? Dann übertragen Sie diese Anteile Ihrer Seele auf Zeit oder gerne auch dauerhaft auf mich und werden Sie somit noch heute Anteilseigner*in an meinen künstlerischen Ideen, Kunstaktionen etc. Das entsprechende Vertragsformular finden Sie hier: Kontrakt Kunst Seele Voll Macht.
Zu den Erst-Anteilseigner*innen gehören Freya von Bergheim, Melanie Koch, Valentina Michelin, Carola Wannicke, Jens-Uwe Scheller, Mike Weber.

KUNST SEELE VOLL MACHT ist noch bis 20.8 Bestandteil der Installation 21 Gramm, zu sehen in der Ausstellung solo:total und wird danach eigenständig weiter laufen.

documenta14. Favorit*innen III

Ein Haus, ein ganzes Haus…

Lois Weinbergers in Athen zu sehende raumfüllende Sammlung  ‚Debries Field‘ zeigt nicht mehr und nicht weniger als das: ein Haus, ein ganzes Haus. Vom Kellerfundament bis zum Dachgiebel, vom kleinsten Mörtelpartikel über Nägel, Holzsplitter, Steine bis hin zu nicht mehr definierbarem- das österreichische bäuerliche Elternhaus zerlegt in einzelne unzählige/ungezählte(?) Artefakte. Ein Garten der Relikte; seinen vorherigen Arbeiten insofern folgend, dass er sich auch hier archäologisch nähert, über Fundstücke einen Kosmos kreiert und den Objekten dann doch gerne ihren Geheimnisraum lässt. Der 1947 geborene Österreicher bezeichnet seine künstlerischen Projekte als ‚Ethnologie‘ und seine Reflexionen und Publikationen als wesentlichen Bestandteil der selbigen.

documenta14. Favorit*innen II

Ich bin keine Schwarze mehr

Im Film ‚Timbuktu‘ von Abderrahmane Sissako verkörpert sie auf geradezu erschreckend schöne Weise die Voodoo-Poetin Zabou, die ohne Kopfbedeckung, aber mit Make-Up durch eine verlassene, von Dschihadisten eingenommene Stadt wandelt- beharrlich, ver-rückt:  Kettly Noël – Performerin, Choreographin, Tänzerin. Ihre Werke sind nah dran an der Realität, scheuen keine Tabus, greifen an und loten aus: die Bürgerkriege und ihre verheerenden Folgen  in Afrika, das brutal erlebte Geschlechterverhältnis zwischen Mann und Frau, die Zuschreibungen aufgrund von Hautfarbe und Herkunft, unterdrückte Sexualität…Die neueste Arbeit der 1968 in Haiti geborenen Künstlerin trägt den Titel ‚Je ne suis plus une femme noir.‘ – Ich bin keine Schwarze mehr. Paradox? Ein klares und leidenschaftliches Bekenntnis zum Tanz als politische Aktionsform, zum Kampf gegen Klischees und Bevormundung und zur Utopie einer friedlichen Ethnien-Gerechtigkeit.

documenta14. Favorit*innen I

…da war ja auch noch Kunst!

Athen & Kassel und die Aufgabe an beiden Orten Werke zu gestalten; eine verflucht-schöne Herausforderung. Hier nun – wie im ersten Blogbeitrag zur documenta14 versprochen – meine persönlichen Favorit*innen. Es lebe der subjektive Geschmack. In Athen war ich sofort überwältigt vom roten Seelenwald (mein persönlicher Name für diese Großinstallation) von Cecilia Vicuña, einer Poetin & Textilkünstlerin, die Lyrik dreidimensional werden lässt. Ihre oft  üppigen weichen Skulpturen aus Wolle nennt sie ‚quipoems‘ – ein Worthybrid aus ‚quipu‘ (eine präkolumbianische Vorrichtung, an der gefärbte Wollfäden für Schreibarbeiten befestigt wurden) & poem (Gedicht). Sie folgt immer verschiedenen Traditionslinien, so ist hier bei diesem quipoem die purpurrote Farbe auch eine Reminiszenz an menstruelle Göttinnensymbolik aus den Anden. Die 1947 in Santiago de Chile geborene Künstlerin ist sich ihrer Wurzeln und der Verantwortung Traditionen zu bewahren und in einen zeitgenössischen Kontext zu setzen sehr bewusst. Ihre Werke berühren, haben (für mich) archaische Kraft….

 

Keine Sommerpause

Die Ausstellung nicht ohne des temporären Künstler*innen-Kollektivs solo:total ist das facettenreiche Ergebnis eines künstlerischen Prozesses von ganz tief drinnen nach ganz weit draußen. Die Künstler*innen Christiane Bergelt, Kirsten Bitteroff, Gabriel Hermida, Dora Ragusa, Helsatronica und Sabine Küster präsentieren ihre Werkschau vom 28.07.-20.08.2017 im August Contemporary, Auguststr. 82 in 10117 Berlin. Vernissage: 27.07 um 19 Uhr*** Finissage mit  Artist Talk & Performance am 20.08 um 14 Uhr***Öffnungszeiten: Do + Fr 16-19 & Sa + So 14-17 Uhr****Die Ausstellung ist entstanden im Rahmen von ETBK. Erfolgsteam Bildende Künste.