documenta14. Favorit*innen II

Ich bin keine Schwarze mehr

Im Film ‚Timbuktu‘ von Abderrahmane Sissako verkörpert sie auf geradezu erschreckend schöne Weise die Voodoo-Poetin Zabou, die ohne Kopfbedeckung, aber mit Make-Up durch eine verlassene, von Dschihadisten eingenommene Stadt wandelt- beharrlich, ver-rückt:  Kettly Noël – Performerin, Choreographin, Tänzerin. Ihre Werke sind nah dran an der Realität, scheuen keine Tabus, greifen an und loten aus: die Bürgerkriege und ihre verheerenden Folgen  in Afrika, das brutal erlebte Geschlechterverhältnis zwischen Mann und Frau, die Zuschreibungen aufgrund von Hautfarbe und Herkunft, unterdrückte Sexualität…Die neueste Arbeit der 1968 in Haiti geborenen Künstlerin trägt den Titel ‚Je ne suis plus une femme noir.‘ – Ich bin keine Schwarze mehr. Paradox? Ein klares und leidenschaftliches Bekenntnis zum Tanz als politische Aktionsform, zum Kampf gegen Klischees und Bevormundung und zur Utopie einer friedlichen Ethnien-Gerechtigkeit.

documenta14. Favorit*innen I

…da war ja auch noch Kunst!

Athen & Kassel und die Aufgabe an beiden Orten Werke zu gestalten; eine verflucht-schöne Herausforderung. Hier nun – wie im ersten Blogbeitrag zur documenta14 versprochen – meine persönlichen Favorit*innen. Es lebe der subjektive Geschmack. In Athen war ich sofort überwältigt vom roten Seelenwald (mein persönlicher Name für diese Großinstallation) von Cecilia Vicuña, einer Poetin & Textilkünstlerin, die Lyrik dreidimensional werden lässt. Ihre oft  üppigen weichen Skulpturen aus Wolle nennt sie ‚quipoems‘ – ein Worthybrid aus ‚quipu‘ (eine präkolumbianische Vorrichtung, an der gefärbte Wollfäden für Schreibarbeiten befestigt wurden) & poem (Gedicht). Sie folgt immer verschiedenen Traditionslinien, so ist hier bei diesem quipoem die purpurrote Farbe auch eine Reminiszenz an menstruelle Göttinnensymbolik aus den Anden. Die 1947 in Santiago de Chile geborene Künstlerin ist sich ihrer Wurzeln und der Verantwortung Traditionen zu bewahren und in einen zeitgenössischen Kontext zu setzen sehr bewusst. Ihre Werke berühren, haben (für mich) archaische Kraft….

 

Keine Sommerpause

Die Ausstellung nicht ohne des temporären Künstler*innen-Kollektivs solo:total ist das facettenreiche Ergebnis eines künstlerischen Prozesses von ganz tief drinnen nach ganz weit draußen. Die Künstler*innen Christiane Bergelt, Kirsten Bitteroff, Gabriel Hermida, Dora Ragusa, Helsatronica und Sabine Küster präsentieren ihre Werkschau vom 28.07.-20.08.2017 im August Contemporary, Auguststr. 82 in 10117 Berlin. Vernissage: 27.07 um 19 Uhr*** Finissage mit  Artist Talk & Performance am 20.08 um 14 Uhr***Öffnungszeiten: Do + Fr 16-19 & Sa + So 14-17 Uhr****Die Ausstellung ist entstanden im Rahmen von ETBK. Erfolgsteam Bildende Künste.

 

Stellt Euch doch mal vor – Gastauftritt V

Kunst und Kommunikation von Horst Tress

Da ich mich bereits in jungen Jahren für Kunst interessierte, war es nur folgerichtig, dass ich mich als Zwanzigjähriger entschloss, meine eigene Kunst unters Volk zu bringen. Zu meinen geistigen Ziehvätern zähle ich neben Wolf Vostell und Joseph Beuys auch Curt Stenvert. Nach und nach lernte ich sie alle persönlich kennen. Sie beteiligten sich ohne Wenn und Aber an meinen ersten Publikationen. Unsere Namen tauchten ab den 1970er Jahren auch gemeinsam in internationalen Ausstellungen auf. In den 1960er Jahren gründete der amerikanische Künstler Ray Johnson die New York Correspondance School. Aus ihr entwickelte sich Anfang der 1970er Jahre der Begriff Mailart. Diese Bezeichnung wird bis heute dem Oberbegriff Fluxus zugeordnet. Unter Postkunst versteht man bemalte, collagierte, gezeichnete und mit eigenen Stempeln bearbeitete Postkarten und Briefe. Weiterlesen

Aufgenommen in den Kanon…

Das Dada Werkstattbuch „…mir ist so daDa im Kopf!“ (in der 3. Auflage hier erhältlich) ist mit dabei: WESERBURG – das Zentrum für Künstlerpublikationen präsentiert die Ausstellung Künstlerbücher für Alles / Artists‘ Books for Everything.  Ausstellungsdauer: 03.06. – 06.08.2017  Mehr dazu unter www.weserburg.de

documenta 14. Lernen im Dialog

Athen. documenta 14 – eine persönliche Betrachtung

Eine documenta im öffentlichen Stadtraum. Kunst-Stationen über die Stadt verteilt. Die Aufforderung, das Stadtgebiet zu durchlaufen, es sich zu erschließen und Orte wahrzunehmen, die sich abseits der üblichen Kunst-Verortung befinden. Bei meinem Besuch wurde die documenta tatkräftig unterstützt durch die streikenden Verkehrsbetriebe…es blieb nichts anderes übrig als zu laufen; Kilometer um Kilometer Eroberung von holprigem Straßenland – und ja tatsächlich: eine Stadt sieht sehr anders aus, wenn das schnelle von A nach B wegfällt und kleine Seitenstraßen in den Blick kommen und ansonsten für uninteressant erachtete Viertel, die zwischen mir und dem Objekt der Begierde liegen, passiert werden müssen. Schritt für Schritt Körperarbeit – eine leibhaftige documenta-Erfahrung. Und um auf den gerade erwähnten Streik zurückzukommen: es ist eine klar politische documenta – politisch im Unterschied zum medial vorgeworfenen politkitschig. Diese documenta steht inhaltlich, räumlich, zeitlich in der direkten Auseinandersetzung, im fortlaufenden Prozess/Dialog mit dem, was in Athen gerade passiert. Aktueller war eine documenta nie – auf gesellschaftliche IST-Zustände bezogen. Themenstränge: Urbanität,  Krieg, Heimat/Heimatverlust, Sprache, Gender, virtuelle Welten, Utopien, Kollektive/Kollaborationen, neue Bildungsansätze…Die Kooperationspartner*innen: „Kiezorganisationen“, Bildungsträger, Archive, Universitäten…Die Räume: überall; nicht immer leicht zu finden, aber Bewegung ist in vielerlei Hinsicht die angemessene Herausforderung. Weiterlesen

LEX-ICON

18320659_10212016746068999_2966495275594809607_oWunderbares Mail Art Projekt für wortverliebte Dadaist*innen und andere Menschen

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Der Moma- oder Bansky-Effekt

Foto: Christophe Gateau/dpa +++(c) dpa

The HAUS…Schlange stehen bitte gerne

Seit uns vor ein paar Jahren das Moma mit einer Teilausstellung beehrt hat, lieben wir Berliner*innen nichts so sehr wie das Schlange stehen für einen limitierten Kunstgenuss. Findet selbiger dann noch statt an einem Ort, der uns sonst zutrittsverwehrt bleibt, geben wir gerne ein zusätzliches Stündchen drauf. Endlich ist es wieder soweit: The HAUS, ein temporäres Ausstellungsquartier für Street Art/Urban Art, präsentiert sich selbst: ein von 165 Künstler*innen aus aller Welt geschaffenes Gesamtkunstwerk in einem ehemaligen leergeräumten maroden Bankgebäude nahe des Kudamms. Eine Zwischennutzung vor Abriss und folgender Wiederauferstehung als schickes Luxus-Wohnquartier. Vom Eingangsbereich über das Treppenhaus hinein in 180 Räume und diverse Fahrstühle und WCs ergießt sich in üppiger Materialschlacht Street Art aller Richtungen. Neben der Fülle an Graffiti- und Tape Art-Exzessen fallen skulpturale Werke und komplette Rauminterventionen besonders ins Auge. Die Künstler*innen sind vor Ort, präsentieren (sich) selbst und liebäugeln an der ein oder anderen Stelle recht selbstverliebt mit dem Spagat zwischen „eigentlich bin ich ein böser Grafitti-Sprayer in der Illegalität, aber hier (boah – ehemalige Bank) ist das schon geil mit der vielen gesponserten Farbe und den Möglichkeiten…“ Genehmigt. Nachvollziehbar. Weiterlesen

Entwurf für eine neue Sprache (Aufruf)

Wie hängen Sprache und Glück zusammen?

Brauchen wir für ein glückliches und zufriedenes Leben eine andere Form der Sprache?
Stellen wir uns einmal vor, es gäbe in unserer Sprache keine negativ besetzten Begriffe wie Gewalt-, Hass-, Schimpf- und keine Befehlsworte und unsere Erziehung würde, als Voraussetzung für eine neue humane Identität, vom ersten Lebenstag an durch ein friedliches Vorleben vollzogen, spielerisch und Kind gerecht.  Würden wir nichts anderes als eine solche Sprache und Erziehung kennen, wären uns vermutlich alle heutigen Unrechtmäßigkeiten fremd. Denn was der Mensch nicht kennt, wird er nicht verwenden. Dieser Idee/Fragestellung folgend ruft die Installationskünstlerin  Cosy Pièro-Conscience auf, eine neue Sprache zu entwickeln.
Einen Beweis für ihre These findet sie bei den Piraha-Indianern/Amazonas, einem Naturvolk, dessen freudiges Dasein dem Sprachforscher Dan Everett auffiel. Er untersuchte daraufhin ihre Sprache und stellte fest, dass ihre Kommunikation vollkommen frei von Aggression war. Negativ besetzte Worte existierten darin nicht. Weiterlesen

Vision & Power

ETBK. Erfolgsteam bildende Künste

Neues, innovatives  10-Wochen-Intensiv-Programm für Berliner Künstler*innen inklusive Erfolgsteams – Einzelcoaching – Workshops – Gruppenausstellung

Seit gerade mal 14 Tagen bin ich nun selbst Teamerin im laufenden Vision & Power ETBK. Erfolgsteam bildende Künste ist und kann schon jetzt sagen: …das lohnt sich, das ist wertvoll, das ist eine arbeitsreiche und herausfordernde Luxusnummer! Hier geht es ans Eingemachte: wo willst Du hin mit Deiner Kunst…was bist Du bereit dafür zu tun…wann und wo passieren die nächsten Schritte?!  Ja: es geht um die vollständige Konzentration auf das eigene Verständnis von Kunst und Künstler*in sein, ums authentische Marketing, um Networking, Projektplanung und um die klare Formulierung und Prüfung vom eigenen Erfolg. 6-8 Künstler*innen bilden ein wöchentlich tagendes Erfolgsteam, in dem sich jede*r zeitgleich auf die eigene Kunst und das eigene Erfolgsvorhaben konzentriert wie auch auf die intensive Arbeit als Künstler*innen-Kollektiv auf Zeit mit einer professionellen Gruppenausstellung. Das ganze wird „unterfüttert“ mit Workshops (Fördermittel & Finanzen, über die eigene Kunst sprechen/schreiben, Markt & Marketing…) und persönlichen bedarfsorientierten Einzelberatungen. Weiterlesen