Entdeckung einer Pionierin

annegret-soltauAnnegret Soltau – Körper trifft Collage trifft Textil

Ihr eigener Körper ist das Rohmaterial für ihre Kunstwerke. In ihren ersten Performances umschlang die 1946 in Lüneburg geborene (heute weltweit arbeitende und ausgezeichnete) Künstlerin noch sich und andere mit schwarzen Fäden zu einer skulpturalen Installation; ein Werk, das sich spätestens mit Ende der Ausstellung wieder auflöste. Mitte der 1970er Jahre entwickelte sie die von ihr selbst so benannte Fotovernähung, in der sie den realen Faden mit fotografischem Material verband. Diese Technik steht in der Tradition der Collage; durch die Nutzung des Fadens statt des bei Collagen sonst üblichen Klebstoffs bekommen ihre Arbeiten aber zusätzlich auch textilen Charakter. Sie ist eine Pionierin auf dem Gebiet der feministischen Kunst und der Body Art. Sie erforscht und überwindet die Grenzen des gegebenen Körpers. Bei ihren Arbeiten reißt Soltau aus Fotografien von Gesichtern & Körpern das Innere heraus, so dass nur der Umriss der Person entleert als Silhouette zurückbleibt. Die auf diese Weise gewonnenen Teilstücke des Körpers setzt sie in der Folge neu zusammen und vernäht diese miteinander. In der gebliebenen Silhouette entsteht das Innere des Körpers neu. Die Fragen und Anliegen, die die Künstlerin beschäftigen und der starke biografische Bezug, ziehen sich ebenso wie ein Faden durch ihr Werk; zum realen kommt der metaphorische Faden. Sie dekonstruiert und erschafft neu. Weiblich versus männlich versus zweigeschlechtlich, Fotografie als Wahrheit versus Objekt- und Bildinstallation als Zweifel, Handwerk versus Kunst– hierin liegt letztlich das avantgardistische, emanzipatorische Potenzial ihrer sehr eigenen, künstlerischen Sprache und Authentizität begründet.  Bis heute erzeugen Ihre Werke aber auch immer wieder heftige Kontroversen, da durch die Zerstückelung der Personen bei den Betrachtenden nicht nur Verwirrung oder diffuse Ablehnung, sondern zum Teil auch Widerwillen, Angst und Schock hervorgerufen werden.
Aktuell sind ihre Werke zu sehen in „The Body as Language – Women and Performance in the 70s.“  bei THE ARMORY SHOW in New York City.

 

 

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